Bei Kaiserwetter am Kaiserstuhl vorbei reisten 11 Vereinsmitglieder des STC Nautilus aus Neustadt a.d.Weinstraße bereits freitags an. Die Unterkunft, der Landgasthof Wider in Gottmadingen, verfügte über eine Servicekraft mit ausgesprochen speziellem Humor. Zum Glück wurde die Nautilanergruppe durch einen Taucher aus Düsseldorf komplettiert, der um keine Antwort verlegen war und so hatten wir bereits am Vorabend herrlich Spaß.
Am Samstagmorgen lernten wir dann alle unsere Ausbilder kennen: Steffi, Elke, Rudi, Tobi, Markus und Jo vom TC Koralle Muggensturm, die – so viel sei schon verraten – zusammen den SK super organisiert und durchgeführt haben. In der Teilnehmergruppe waren vom 1*- Taucher bis zum TL 2 unterschiedlichste Ausbildungsstufen vertreten, was aber das Flusstauchen betraf, waren wir alle Neulinge. Also lauschten wir aufmerksam den Präsentationen. Anhand anschaulicher Folien lernten wir im Theorieteil einiges über Strömungsgeschwindigkeit und -arten, über den Unterschied von Außen- und Innenkurve, über Flussquerung, Ausrüstung und Besonderheiten bei der Tauchgangsplanung samt Sicherheitsvorkehrungen. Nach dem Theorieteil hatten wir einen ganz neuen Blick auf Begriffe wie ‚Kissen‘, ‚Pilz‘ oder ‚Walze‘ und wirklich jeder wusste, woran man starke Strömung
erkennt: „Das ist da, wo der Frosch keine Locken hat“.
Pünktlich um 13:00 Uhr fuhren wir am Samstagmittag nach Schaffhausen an die ‚Rhybadi‘, ein
1870 erbautes Schwimmbad am und im Rhein, das sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat. Kurz vor Saisonstart hatten wir das Bad ganz allein für den SK, genug Platz also für Ausrüstung und Tauchgangsbesprechung. Alle Tauchgänge fanden in 3er-Gruppen statt, pro Ausbilder zwei Teilnehmer. Der erste TG führte uns bei moderater Strömung innerhalb der Schwimmbecken und zwischen den Pfeilern unterhalb der Kabinen und Gänge an das Flusstauchen heran, wobei die bewachsenen Pfeiler einen wunderschönen Anblick boten. Der zweite TG führte dann aus der ‚geschützten‘ Zone hinaus in Richtung Flussmitte mit stärkerer Strömung und wieder zurück ins Rhybadi. Für überzeugte Trockentaucher fühlte sich der empfohlene Neopren zum Nasstauchen zu dieser Jahreszeit irgendwie falsch an, aber bei strahlendem Sonnenschein und um die 23°C Außentemperatur musste niemand beim Umziehen frieren. Es gab so vieles auszuprobieren und zu sehen, dass man die Wassertemperatur von 13-14°C kaum wahrgenommen hat. Selbstverständlich wurden die Tauchgänge im Anschluss ausführlich besprochen, zu diesem Zeitpunkt erfuhren wir genauer, wo die sog. Todeszone vor dem flussabwärts nahe gelegenen Kraftwerk beginnt. Schließlich wurden wir mit einem besonderen Service verwöhnt: Jo brachte unsere Flaschen zum Füllen, hier sei John vom Dugong Dive Center herzlich gedankt, so dass wir unbesorgt zurück zur Unterkunft fahren konnten. Den Abend verbrachten wir beim gemeinsamen Abendessen in geselliger Runde, wobei unser Rheinländer im Zusammenspiel mit o.g. Servicekraft zur Höchstform auflief – was hätten wir ohne ihn nur gemacht?
Am Sonntagmorgen wurde es ernst, wir tauschten den ‚Spielplatz‘ von der Rhybadi gegen das linksrheinische Ufer ‚in freier Wildbahn‘ an der Flurlinger Brücke, eine große Autobrücke unterhalb des Kraftwerks, aber oberhalb des Rheinfalls! Die Autos wurden geparkt und dann nahmen wir die „Wanderstrecke“ erst mal in Augenschein: zuerst liefen wir flussaufwärts zur Brücke und betrachteten den Einstieg. Über große Steinquader erreicht man dort das Wasser.
Dann ging es an den Autos vorbei flussabwärts zu möglichen flachen und einfachen Ausstiegen. Vor den Tauchgängen beobachteten wir die Wasserbewegungen am Ufer und um die Brückenpfeiler, wir besprachen mit unseren Ausbildern genau, wie wir den Rhein womöglich ganz queren könnten. Und auch, wie wir mit der Strömung am besten wieder zurückkommen oder wie man ‚Handzeichen‘ macht, wenn man gar keine Hand frei hat. Dann machten wir alle die Erfahrung, was Flusstauchen bedeutet, es ist nämlich fast alles anders, als wir mal gelernt haben: kein Oktopus, keine langen Schläuche, kein Kompass, keine Luftabfrage, dafür aber keine Scheu vor Bodenkontakt und Steine anfassen! Im Nachgang stellten wir fest, dass sogar das Atemminutenvolumen anders ist. Jedenfalls wurde in der starken Strömung der Flussmitte aus Flusstauchen eher Flusskrabbeln, so dicht wie möglich am Grund sollten und mussten wir uns von Stein zu Stein hangeln. Was manchen nach dem ersten Versuch fast unmöglich erschien, quer bis ans rechtsrheinische Ufer, gelang mit etwas Übung und der richtigen Technik dann doch. So wurden am Sonntag aus normalen Sporttauchern eine besondere Art ‚Kreislauftaucher‘: Auto laufen zum Einstieg Tauchgang laufen vom Ausstieg zum Auto laufen zum Einstieg Tauchgang laufen vom Ausstieg zum Auto laufen zum Einstieg usw. immer im Kreis. Je nachdem, wie weit man sich treiben ließ oder wie schnell man zu Fuß in voller Tauchmontur unterwegs war, konnte man zwei bis vier Flusstauchgänge mit den Ausbildern unternehmen. Letztlich waren wir alle begeistert von dieser neuen Erfahrung, eine kleine Gruppe wagte sich sogar nach Abschluss der Übungstauchgänge ohne Ausbilder ins nun 12-13°C kalte Wasser. Trotz unserer Konzentration auf die Strömungsverhältnisse wurden in den Tauchgruppen auch Rheinbewohner gesichtet: Welse, Aale, Schleien, Hechte, Döbel, Brachsen, Groppen und Schnecken.
Als am Sonntagnachmittag der rundum gelungene Sonderkurs Flusstauchen endete, hatten wir nicht nur Sonne am Himmel, sondern auch im Herzen. Es fand sich eine so tolle Truppe zusammen, die Stimmung hätte nicht besser, das Wochenende nicht gelungener sein können.
An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Jo, Rudi, Tobi, Markus, Elke und Steffi vom TC Koralle Muggensturm!